"This is Africa!"

 Abenteuer Tansania

Es begann am 27.03.2014, als der Kleinbus von Martinsbrunn mit unserer Reisetruppe (Richard, Erwin, Maria Luise, Carmen, Sara und Marion) aus dem Parkplatz des Vereinshauses in Algund losfuhr. Nach einem ersten Vorgeschmack auf das afrikanische Land an einer italienischen Raststätte und einer holprigen Autobahnfahrt nach Mailand dachten wir, dass auch die Afrika Neulinge unter uns bestens vorbereitet wären. Flug von Mailand nach Amsterdam, dann Umstieg und weiter nach Nairobi. Auf dem Flughafen dort dann die ersten afrikanischen Eindrücke: im Flughafen dicke heiße Luft zum Schneiden, die wenigen Sitzplätze in den Warteräumen belegt, Menschen die am Boden lagen oder saßen, schliefen oder einfach nur warteten, ein Sprachenwirrwarr in dem wir kein Wort verstehen konnten, eine Toilette für den gesamten Flughafen. Und wir mittendrin.

Die Landung über dem Kilimandjaro, dem höchsten Bergmassiv Afrikas, entschädigte für alles. Ankunft Kiminadjaro Airport, Visa ausfüllen, in der Ankunftshalle das Gepäck abholen und den Weg nach draussen finden ohne auf die eine oder andere tote oder lebendige Kakerlake zu treten. Feucht tropische Mittagshitze schlug uns entgegen und nahm kurzzeitig den Atem, da waren sie: die treuen Begleiter und Organisator unserer Reise, Fahrer Abdi und Begleiter Shakiganda. “Asante”! Nachdem jeder sich seinen Sitzplatz im abgewetzten Kleinbus, dessen Anzeigepult nicht funktionierte, gesucht und die Fenster für Frischluft geöffnet hatte, ging die Fahrt los. Wir ahnten nicht, dass dies der erste von insgesamt 4 Kleinbussen auf unserer Reise war. Und dass die Reise mit diesem sehr bald schon enden würde.

Auf der Fahrt in das “office” unserer tansanischen Begleiter erste Eindrücke aus dem Massai Land: Frauen in bunten Gewändern die ihre Babys mit Tüchern auf den Rücken gebunden hatten, Massai Hirten mit ihren Herden, satte grüne Landschaften. Nach ca. 30 Minuten Fahrt der erste einstündige Halt um die Formalitäten für die restliche Reise zu erledigen und uns mit Wasser und Lunchpaketen einzudecken. Dann ging es weiter, mit einem neuen Fahrer und Shakiganda, immer mit dabei, ca. 10 Minuten. Wieder Pause, der Tank war leer. Für Carmen und Marion die Gelegenheit eine tansanischen Toilette kennen zu lernen. Die Lunchpakete waren.. sagen wir es so, es war gut gemeint. Weiterfahrt, 4 Stunden, Pinkelpause an einem Busbahnhof. Weiterfahrt, 10 Minuten. Richard und Carmen wunderten sich darüber, dass unsere am Boden liegenden Wasserflaschen so aufgewärmt waren, wird wohl die afrikanische Hitze sein. Dann der Rauch. Unter dem Beifahrersitz wo Marion saß, von überall. “Stopp!” Der Fahrer grinste nur, drückte weiter aufs Pedal. Er verstand kein Englisch. “Stopp, halt!” Dann endlich, er hielt am Straßenrand. Totale Einöde, weit und breit Wiesen mit hohen Büschen. Alle raus aus dem Kleinbus. “Fundi” Erwin erkannte das Problem sofort: kein Kühlwasser. Wir schütteten fast unsere gesamten Wasserreserven in den Tank, doch als das Wasser vom Tank auf den heißen Teer plätscherte war uns allen klar: wir brauchen einen neuen Kleinbus. Dem Fahrer und Shakiganda war dies noch nicht klar. Sie berieten sich, telefonierten, Massai Bewohner eilten herbei um zu sehen was passiert war. Dann die Erkenntnis und Shakiganda versicherte uns, ein neuer Bus sei auf dem Weg. 

Einige Stunden und viele Vertröstungen später, es dämmerte bereits und die Mosquitos waren im Anmarsch, 36 Stunden ohne Schlaf, war unser Geduldsfaden gerissen, wir wollten weg hier. Es wurde dunkel, Nacht. An die Versprechen von Shakiganda glaubte keiner mehr, sehr beruhigend zudem seine Erklärung dass wir uns an einem Grenzübergang zweier Nationalparks aufhielten welchen Schlangen, Löwen und Elefanten besonders nachts nutzten. Im Schutz der Massai dann ein Auto. Unsere Rettung! Doch für die Fahrt nach Mitundu, zu den Schwestern, war es zu weit. Zu weit und zu gefährlich bei Nacht, zudem ging dort ein starkes Gewitter nieder und machte die Straße unpassierbar. Nach einem kurzen Telefonat mit den Schwestern in dem wir ihnen mitteilten, dass sich unsere Ankunft verzögern würde, organisierten diese uns eine Unterkunft in einem Kloster in Singida. Völlig erschöpft bekamen wir dort ein Abendessen und fielen müde in die Betten. Unser Fahrer musste bei den Massai zurückbleiben da kein Platz im Auto für ihn war.

Für die Weiterfahrt am nächsten Morgen hatte Shakiganda uns einen neuen Kleinbus mit Fahrer besorgt. Kurze Inspektion von “Fundi”, es konnte losgehen. Die Straße nach Mitundu war in einem sehr schlechten Zustand, das Unwetter von gestern Nacht hatte tiefe Löcher in die rote staubige Straße gewaschen. Bei einer Polizeikontrolle erneut eine Überraschung: unser Fahrer hatte keine Fahrerlizenz. Das Problem wurde mit einem kurzen Handschlag und einigen tansanischen Schillings gelöst.

In Mitundu erwarteten uns die Schwestern mit einem Mittagessen aus Tomatensuppe, Knödeln und Kraut. Nach einer kurzen Erfrischung in unseren Zimmern ging es dann gleich an die Arbeit, wir hatten schließlich einen halben Tag verloren. Die Besichtigung des Hostels mit Bauleiter Paolo und einer anschließenden Sitzung zur Besprechung der Finanzierung standen an diesem Nachmittag bevor und verlangten besonders von Richard große Ausdauer und Geschick im tansanischen Verhandeln. Erwin installierte in der Zwischenzeit das neue Aggregat und große Freude machte sich breit nach seiner gelungenen Arbeit.

 

Der nächste Tag war ein Sonntag und begann für uns mit dem Besuch der Frühmesse und einem anschließenden Spaziergang durch Mitundu. Eindrücke afrikanischen Lebens prasselten auf uns ein. Erwin verbrachte den restlichen Tag damit, Traktoren, Autos und andere Maschinen zu reparieren. Richard hielt in Begleitung von Carmen und Maria Luise Sitzungen ab um v.a. den Weiterbau und zukünftige Finanzierungen durch LOA abzuklären. Sara und Marion besuchten die Schulkinder der Mission. Der Sonntag überraschte uns dann noch mit einem kräftigen tansanischen Gewitter.

 

Die neue Woche begann mit der Besichtigung der Container und unseren Hilfestellungen für die Schwestern für die Benutzung einiger Geräte wie z.B. eine Küchenmaschine. Dann besichtigten wir gemeinsam mit Schwester Carmen die Krankenstation der Mission. Montags fanden sich dort zahlreiche Schwangere und Mütter mit Kindern zu Untersuchungen ein. Am Nachmittag unternahmen wir in Begleitung von Schwester Luisa einen Ausflug in den Busch. Seltenste Höhlenmalereien und die Herstellung von Tabak waren eindrücklich.

Dieser Abend war unser letzter in Mitundu. Vor dem Abendessen eine letzte Sitzung, Protokolle wurden unterschrieben, dann die große Aufregung. Schwester Luisa hatte ihren Zimmerschlüssel verloren. Zweitschlüssel gab es natürlich keinen und so musste Fundi Erwin sich anderweitig zu helfen wissen. Nach mehrstündigem Zurechtfeilen eines neuen Schlüssels schafften er und Richard es, die Tür zu öffnen. Die Stimmung der Schwestern war dennoch getrübt, war die Angst doch zu groß um die Wertsachen in Schwester Luisas Zimmer. Unsere Truppe gönnte sich ein letztes Bier in der Mission von Mitundu bevor es am nächsten Morgen um 4.00 Uhr Morgens los ging – zu einer letzten Besprechung in Babati mit den Vorsitzenden des Rotary Clubs. Für die Sicherheit begleiteten uns Schwester Luisa und Schwester Honorina, denn in der Dunkelheit lauerten die Vagabunden und Flüchtlinge Ruandas am Weg.

Auf dem Weg nach Arusha kreuzten wir den Eingang zum Tarangire Nationalpark und es kam uns die Idee, dort eine Unterkunft zu suchen um uns 300km Fahrt nach Arusha und am nächsten Tag wieder nach Tarangire zu ersparen. In der heißen Mittagssonne am Eingang des Nationalparks telefonierte Marion mit Abdi um ihn von unseren Planänderungen in Kenntnis zu setzen. Abdi empfahl uns dann das “Zion Camp” als Unterkunft. Dort angekommen konnten wir unseren Augen nicht trauen. Ein einziges heruntergekommenes Zelt, keine Sanitäranlagen. Nach weiteren Telefonaten mit Abdi und einigen Kommunikationsschwierigkeiten entschlossen wir uns für die sichere Variante: Weiterfahrt nach Arusha. Nach dem Einchecken im Hotel in Arusha dann die Freude auf ein Abendessen, da wir Mittags unseren Hunger mit einigen Bananen gestillt haben. Wir bestellten Hühnchen und Reis für alle, nach über 2 Stunden Warten am Tisch bekamen wir Hühnchen, Fleisch und Reis serviert.

Nach dem Frühstück um 5.00 Uhr morgens am nächsten Tag erwarteten uns unserer Fahrer Robert, Abdi und Shakiganda. Richard stellte sofort fest, dass der Safari Jeep zu klein war für Mensch und Gepäck, doch unsere tansanischen Freunde machten wieder einmal das Unmögliche möglich. Auf der Fahrt in den Tarangire Nationalpark stellten wir fest dass unser Fahrer Robert den Fuß vom Gaspedal nahm wenn er mit uns redete, also sparten wir die Fragen für später auf um vorwärts zu kommen. Im Nationalpark Tarangire stellte Robert zum ersten Mal seine Fahrkünste unter Beweis. Im Schlammloch steckengeblieben nahm er den Rückwärtsgang um mit Vollgas durchzupreschen, was ihm auch gelang. Die Landschaft einmalig, sattes grün, Herden von Elefanten und vielen anderen Tieren. Den Rastplatz, an dem wir unser Lunchpaket aßen, verließen wir nachdem wir von Affen überfallen wurden welche uns unsere Kekse stahlen.

Die Nacht verbrachten wir in der Rhino Lodge, eine von Massai geführten Unterkunft in der Landschaft am Ngorongorokrater: eine einzigartige Kulisse, das Essen schmeckte hervorragend, die Zimmer waren individuell und liebevoll eingerichtet. Ab Einbruch der Dunkelheit durften wir uns nicht mehr frei auf dem Gelände bewegen da es sein konnte dass wir Löwen, Elefanten oder anderen Tieren über den Weg liefen.

5.30 Uhr am nächsten Morgen Start in den Ngorongorokrater. Ziel des heutigen Tages: einen Löwen zu sehen. Niemand hätte gedacht, dass uns dieser Anblick um 7.30 Uhr geschenkt werden würde. Ein prächtiger Löwe der die Morgensonne genoss, ein wahrhaftiges Schauspiel. Den restlichen Tag über konnten wir viele verschiedene Tierarten in frei lebender Wildnis beobachten: Giraffen, Gnus, Antilopen, Elefanten, Tiger, Hyänen, Zebras, Rhinozerus, ein Reifenwechsel am Hipposee.
Auf der Fahrt zum nächsten Nationalpark, dem Lake Magnaro, suchten wir uns eine andere Unterkunft als von Abdi und Shakiganda organisiert. Diese hatten wir bereits auf dem Weg zum Ngorongorokrater gesehen und festgestellt, dass wir die Nacht nicht in einem heruntergekommen Campingplatz ohne Sanitäranlagen verbringen wollten. So checkten wir in einem netten kleinen Hotel in Karatu ein und handelten uns großen Ärger mit unseren tansanischen Organisatoren ein. Ein kurzer Spaziergang durch Karatu und das Erlebnis, wie Einheimische in der Bar rohes, seit Stunden in der Mittagssonne hängendes Fleisch in heißes Wasser tauchen und essen, zeigte uns wieder einmal, wie unterschiedlich die Lebensweisen sein können. Nach einem guten Teller Reis mit spinatähnlichem Gemüse im Hotel und einem anständigen Watter ging es ab ins Bett. Die Musik der anliegenden Disko wiegte uns in den Schlaf.

Das Frühstück am nächsten Morgen bestand aus einem Früchteteller den aus hygienischen Gründen leider keiner von uns essen konnte. Von der Vorfreude auf den Nationalpark Lake Magnaro gestärkt starteten wir zuerst in einen großen Massai Souvenirmarkt und erlebten dann wieder traumhafte Landschaften und grosse Ebenen mit Giraffen, Zebras, Gnus, Antilopen, Elefanten und Affen zu sehen.

 

 

 

 

Auf der Fahrt zurück nach Arusha verspeisten wir die tansanischen roten Bananen. Banen war eines der Hauptnahrungsmittel unserer Reise. Doch wollten wir an diesem Abend die berühmten afrikanischen Kochbanen essen und bestellten gleich nach Ankunft im Hotel in Arusha -5 Stunden vorher- das Abendessen: Reis, Gemüse, Hühnchen und Kochbanen. Wir bekamen fast pünktlich Reis, Gemüse, Hühnchen und normale Bananen serviert. Das Komunikationsproblem war unser ständiger Begleiter in Tansania. Wir diskutierten mit Shakiganda die Tatsache, dass wir uns selbst ein Hotel in Karatu organisiert hatten da die Übernachtung auf einem Campingplatz für uns nicht in Frage kam und merkten dabei, dass er weder lesen noch schreiben konnte: die Erklärung für unser großes Kommunikationsproblem.
Den letzten Vormittag in Tansania verbrachten wir im Arusha Nationalpark, wo wir die Gelegenheit hatten, die nur dort lebenden “Black and white Monkeys” zu beobachten. Auf dem Weg zum Flughafen eine letzte kühle Fanta, dann der Abschied von unserem Fahrer Robert.

Der Check-In begann nachdem ein Flughafenmitarbeiter in minimalster mehrstündiger Präzisionsarbeit und einer großen Portion afrikanischer Gelassenheit den Weg zum Schalter aufgebaut hatte. Mit einigen Mückenstichen und Sonnenbränden, unvergesslichen Erlebnissen und großen Gelüsten auf Caffé und Pizza stiegen wir in das Flugzeug Richtung Heimat ein.

Und zwei großen Lehren im Gepäck: “No hurry in Africa” und “This is Africa”!!!

Weitere Eindrücke: