Interview mit der Architektin

Wir führten mit der Architektin des Mädchenheims ein kurzes Interview:

Frau Arch. Lee,
was sind für Sie die persönlichen  Beweggründe, ein Hostel für Schülerinnen im fernen Tansania zu planen?
Als Mitglied des Soroptimist International, eine der weltweit größten Vereinigung von Clubs berufstätiger Frauen, deren Werte und Ziele u.a. auf die Verbesserung der Stellung der Frau, sowie die Gleichberechtigung der Geschlechter ausgerichtet ist, habe ich natürlich diese Gelegenheit gerne in Angriff genommen. Als Architektin ist mir jede neue Planungsaufgabe eine willkommene Herausforderung.

Ist ein Projekt in Tansania anders als bei uns anzugehen?
Sicher, man muss die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigen, mit den Ressourcen sparsam umgehen; dafür sind die Auflagen der urbanistischen und architektonischen Gesetze in der Planung weniger einschneidend als bei uns. Es geht darum, ein rationelles und minimalistisches Projekt zu entwickeln, in dem die Grundbedürfnisse und vor allem die Sicherheit der Schülerinnen gewährleistet sind.

Haben sie schon Erfahrungen mit Arbeiten in Entwicklungsländern oder Hilfsprojekten ?
Für den Förderverein Lights of Afrika haben mein Mann und ich, zusammen mit anderen Technikern, den Plan für ein  Wirtschaftsgebäude in Vikindu erstellt.
2009 habe ich das Projekt für 2 Gebäude in Moldavien geplant, in dem Frauen verschiedene Tätigkeiten und Berufe erlernen und ausüben können. Und schließlich,- um auf Soroptimist zurückzukommen,- unser Club von Meran, dem ich derzeit vorsitze, hat an vielen Hilfsprojekten für Afrika mitgewirkt, z.B. den Bau von Hütten mit einer Erziehungsstätte für alleinstehende Frauen und ihren Kindern in Turalei , die Einrichtung von Werkstätten in Rwanda, in denen 100 alleinerziehende Mütter eine schulische und berufliche Ausbildung erhalten, um selbstständig für ihre Kinder sorgen zu können. Diese und viele andere , große und kleine Projekte kommen durch die Zusammenarbeit der Soroptimist Clubs Italiens zustande und werden auch von diesen finanziert.

Was sind die Schwierigkeiten bei diesem Projekt?
Da ich noch nie in diesem Land war, sind meine Vorstellungen über die örtlichen Gegebenheiten nicht ausreichend; deshalb braucht es vor Ort eine Bezugsperson, die das Projekt begutachtet und eventuell besser anpassen kann. Wichtig ist auch, dass mit den ortsüblichen Baustoffen gebaut wird.

Was würden sie einem jungen Menschen raten, dem die Entwicklungshilfe auch ein Anliegen ist ?
Allen Menschen, die unseren Wohlstand genießen, würde ich raten, den Wert der Solidarität anderen gegenüber zu erfahren und beizutragen, dass die benachteiligten Menschen unserer Gesellschaft eine Bildung und Ausbildung für ein selbstständiges Leben erhalten können, - und - besonders in den Entwicklungsländern -sind dies Frauen und Mädchen. Wenn durch die Solidarität diese Ziele erreicht werden, so wird das für sich selbst eine Freude und große Genugtuung.

 

 

 
 
 

 

Johanna Covi Lee